Aktualisiert am von Rita Moreira
Fell zu zeichnen sieht nach stundenlanger Fleißarbeit aus, bei der man tausend einzelne Haare kritzelt. In Wirklichkeit entscheidet nicht die Menge der Striche über den realistischen Eindruck, sondern ihre Richtung, ihre Länge und wie Licht in der Pelzschicht liegt.
Ich zeige dir hier eine Methode mit einem einfachen Werkzeug, dem Prägestift, mit der du helle Haare als kleine Rillen ins Papier drückst und darüber mit dem Bleistift arbeitest. Diese Technik habe ich vom Zeichenlehrer Charles Laveso gelernt, und sie nimmt dem Thema viel von seinem Schrecken.
Wie zeichnet man Fell realistisch?
Realistisches Fell zeichnest du mit gebogenen Strichen, die dünn beginnen und dünn enden, in wechselnder Richtung und Stärke. Ein Prägestift markiert vorher die hellen Haare als Rillen im Papier, die der Bleistift nicht ausfüllt. Danach ziehst du mit einem weichen 4B oder 6B die dunklen Haare darüber und verwischst alles mit einem Pinsel.
Welches Material brauchst du für Fellzeichnungen?
Fell verzeiht wenig Vagheit, deshalb lohnt sich eine klare Materialliste. Du brauchst kein teures Set: ein weicher Bleistift, ein Prägestift und ein Pinsel bringen dich schon sehr weit.
- Zeichenpapier: lieber etwas dicker, damit der Prägestift eine saubere Rille drücken kann, ohne das Blatt zu durchstoßen.
- Bleistift 4B oder 6B: für die dunklen Schattenhaare, gut angespitzt. Ich arbeite gern mit dem Castell 9000 von Faber-Castell, der die weichen Härtegrade sehr gleichmäßig abgibt.
- Prägestift (Embossing-Tool): ein Stift mit einer kleinen Metallkugel an der Spitze. Als Ersatz gehen eine Häkelnadel oder eine leere Kugelschreibermine.
- Weicher Pinsel (Größe 4 oder 6): zum Verwischen, damit das Graphit in die Papierporen sinkt.
- Optional ein angeschrägter Radierstift: um einzelne Haare mit Glanzlicht herauszuholen.
Welche Härtegrade wofür taugen, erklären die Hersteller selbst gut: bei Staedtler findest du die volle Reihe von HB bis 8B mit ihren Einsatzgebieten.
Der richtige Strich: Anfang und Ende dünn
Ein einzelnes Haar, ob Tierfell oder menschliches Haar, muss am Anfang und am Ende dünn auslaufen. Genau daran erkennt das Auge ein Haar und keine Linie. Der Schlüssel liegt in einer gebogenen Handbewegung, nicht im festen Aufdrücken.
Stell dir die Bewegung in Zeitlupe vor: Der Bleistift kommt von oben, berührt das Papier ganz leicht (dünner Anfang), in der Mitte drückst du etwas stärker (kräftige, dunkle Mitte), und beim Abheben wird der Strich wieder dünn. Die Hand bleibt locker, die Bewegung ist schnell und leicht gebogen.
Der Fehler, den ich bei meinen Schülern am häufigsten sehe: Sie ziehen den Strich langsam. Dann zittert das Haar. Oder sie setzen den Bleistift auf, ziehen und heben ab, ohne den Druck zu variieren, dann werden Anfang und Ende dick und klobig. Langsamkeit und gleichmäßiger Druck sind die zwei Feinde einer guten Fellzeichnung.
Fell mit dem Prägestift Schritt für Schritt
Der Prägestift sieht aus wie ein Bleistift, hat aber eine kleine Metallkugel an der Spitze. Fährst du damit über das Papier, drückt die runde Spitze eine Rille hinein, eine kleine Furche, die das Blatt vertieft. Wenn du danach mit dem Bleistift darüberstreichst, kommt das Graphit nicht in die Rille, und dort bleibt ein heller Haarstrich stehen.
So gehst du vor:
- Führe den Prägestift genauso wie den Bleistift: Anfang und Ende dünn und weich, in der Richtung des Fells.
- Markiere damit alle Stellen, an denen im Pelz helle Haare sichtbar sind, bevor du den Bleistift ansetzt.
- Arbeite in kleinen Abschnitten: erst ein Stück mit dem Prägestift, dann dasselbe Stück mit dem Bleistift. So siehst du sofort, wie es wirkt, und kannst nachsteuern.
Danach mit dem Bleistift und Pinsel arbeiten
Jetzt kommt der weiche Bleistift ins Spiel und vollendet den Effekt. Nimm einen gut angespitzten 4B oder 6B und ziehe die dunklen Haare über die vorgeprägten Bereiche, immer in derselben Richtung. Die Rillen bleiben hell, dazwischen entsteht das dunkle Fell.
Danach fährst du mit dem weichen Pinsel über die ganze Fläche. Das Graphit sinkt in die Papierporen, der Übergang wird sanfter und natürlicher, und die harten Kanten der Striche verschwinden. Willst du einzelne Haare noch zum Glänzen bringen, hebst du sie mit der angeschrägten Kante eines Radierstifts heraus. Dieselbe Logik gilt übrigens für menschliches Haar, nur mit längeren Strähnen und mehr Volumen; wie das im Detail geht, zeige ich in der Anleitung zu Gesichtszügen und weichen Kanten.
Fellstruktur mit Volumen statt flacher Striche
Volumen entsteht nicht durch die Zahl der Haare, sondern durch Licht und Schatten im Fell als Ganzem. Schattiere zuerst die gesamte Fläche des Tieres mit einem weichen grauen Grundton, bevor du ein einziges Haar ziehst. Bestimme dabei, wo das Licht am stärksten auftrifft (Kopfoberseite, Schultern, Kruppe) und wo tiefe Schatten liegen (unter dem Bauch, hinter den Ohren).
Erst auf dieser Grundlage arbeitest du die Haare aus, und die dunklen Zonen bleiben immer dunkler als die hellen. Das Auge liest Volumen über den Wechsel der Tonwerte, nicht über die Menge der Striche. Haare auf einer flachen, gleichmäßigen Fläche ergeben ein Fell, das wie ein Abziehbild aussieht.
Wie überzeugend Fell wirken kann, zeigt Albrecht Dürers “Feldhase” von 1502, dessen Haarschichten bis heute als Maßstab gelten; das Aquarell hängt in der Albertina in Wien. In meinen eigenen Zeichnungen denke ich vor jedem Haar an diese Reihenfolge: erst die Form, dann die Schicht.
Katze, Hund oder Pferd: was ändert sich?
Die Grundtechnik bleibt immer gleich (gebogener Strich, Anfang und Ende dünn), aber Länge und Richtung des Fells ändern sich je nach Tier. Studiere deine Vorlage vor dem Zeichnen und markiere in Gedanken die Fellrichtung jeder Zone.
| Tier | Fell | Strich |
|---|---|---|
| Katze | kurz, nach Region ausgerichtet | kurze, klar gerichtete Striche |
| Hund (kurz) | kurz, z. B. Labrador | kurze, parallele Striche |
| Hund (lang) | lang, z. B. Golden Retriever | gewellte, überlappende Strähnen |
| Pferd | sehr kurz am Körper, lange Mähne | feine Striche, Mähne wie Haar |
Übung: Strichkontrolle trainieren
Bevor du ein ganzes Tier zeichnest, lohnt sich eine reine Strichübung. Nimm ein einfaches Blatt und einen gut angespitzten Bleistift oder Druckbleistift und fülle die Seite mit Haaren in allen Richtungen.
- Ziehe Striche von unten nach oben und von oben nach unten.
- Dann von links nach rechts und zurück.
- Variiere die Krümmung und drehe das Blatt zwischendurch.
Die ersten Striche zittern oder haben dicke Enden, das ist normal. Übe, bis die Hand locker wird und die Haare schnell und gleichmäßig gelingen. Wer die dunklen Partien noch tiefer will, kann sie mit einem Holzkohlestift statt Bleistift anlegen; das Prinzip mit Prägestift und Richtung bleibt dasselbe. Ein sauberes realistisches Auge macht dein Tierporträt am Ende lebendig.
Wo bekommst du das Material?
Bleistifte, Prägestifte und Zeichenpapier findest du im Fachhandel bei Boesner oder Gerstaecker, beide mit Läden und Onlineshop. Ein einzelner 6B und ein Embossing-Tool sind auch bei Amazon.de schnell besorgt, wenn keine Filiale in der Nähe ist.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Bleistift eignet sich zum Fell zeichnen?
Für die dunklen Haare nimmst du am besten einen weichen Bleistift, 4B oder 6B, weil er tiefe Schwärze liefert und trotzdem fein bleibt. Halte ihn gut angespitzt, sonst wird der Strich zu breit und die Haare verlieren ihre feinen Enden.
Für den grauen Grundton unter dem Fell reicht ein HB oder 2B. Ein zweiter, spitzer 2B hilft bei den ganz feinen hellen Haaren an den Rändern. Marken wie Faber-Castell oder Staedtler sind zuverlässig; wichtiger als der Name ist, dass der Härtegrad zur Fellzone passt.
Wie zeichnet man Fell einfach?
Der einfachste Weg führt über kleine Abschnitte statt über das ganze Tier auf einmal. Markiere zuerst mit dem Prägestift die hellen Haare in einer handtellergroßen Zone, ziehe dann mit dem 4B die dunklen Haare darüber und verwische sie mit dem Pinsel.
Arbeite dich so Stück für Stück voran und halte dich an eine einzige Fellrichtung pro Zone. So bleibt die Aufgabe überschaubar, und du siehst nach jedem einzelnen Abschnitt sofort das Ergebnis. Anfänger scheitern meist daran, alles auf einmal gleichzeitig zu wollen.
Wie zeichnet man Fellstruktur mit Volumen?
Fellstruktur wirkt nur dann plastisch, wenn zuerst Licht und Schatten stehen. Lege die gesamte Fläche mit einem weichen grauen Ton an, bestimme die hellen Zonen (Kopf, Schultern) und die dunklen (Bauch, hinter den Ohren), und erst dann ziehst du die einzelnen Haare.
Behalte dabei die Tonwerte bei: dunkle Bereiche bleiben dunkel, auch wenn du helle Haare hineinsetzt. Volumen entsteht aus dem Wechsel der Töne, nicht aus der Zahl der Striche. Haare auf einer flachen Fläche sehen immer wie ein Abziehbild aus.
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