Glossar realistisches Zeichnen: 20 Begriffe erklärt

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Auf dieser Seite findest du die Begriffe, die dir beim realistischen Bleistiftzeichnen ständig begegnen, jeder in wenigen Zeilen erklärt und mit seinem praktischen Nutzen. Sie stehen in alphabetischer Reihenfolge, von den Materialien bis zu den Techniken. Wenn dich ein Wort mitten in einer Anleitung ausgebremst hat, schlag es hier nach.

Amorbogen

Der Amorbogen ist die doppelte Schwingung der Oberlippenkante mit zwei Spitzen und einer flachen Senke dazwischen. Er entscheidet über die Symmetrie des ganzen Mundes, denn zwei ungleich hohe Spitzen verziehen das komplette Gesicht. Lege ihn mit sehr leichten Hilfslinien an und prüfe ihn gegen die Mitte der Nase, bevor du mit dem Schattieren anfängst.

Augapfel

Der Augapfel ist die Kugel, die unter den Lidern liegt und die Form des ganzen Auges bestimmt. Auch wenn du nur einen kleinen Ausschnitt siehst, musst du beim Zeichnen die Rundung mitdenken: Das Weiß wird zu den Winkeln hin dunkler, und das Oberlid wirft einen weichen Schatten darauf. Wer es flach anlegt, zeichnet ein Auge wie einen Aufkleber.

Augenbraue

Die Augenbraue ist das Haarband über der Augenhöhle und gibt dem Porträt seinen Ausdruck. Im realistischen Zeichnen wird sie nie als gleichmäßiger Fleck gefüllt, sondern in Schichten aufgebaut: erst ein weicher Grundton, danach einzelne Härchen. Die Wuchsrichtung wechselt vom Kopf über den Körper bis zum auslaufenden Ende, und genau dieser Wechsel macht sie glaubwürdig.

Estompe

Die Estompe, auch Papierwischer genannt, ist ein fest gerollter Papierstift mit zwei zugespitzten Enden zum Verreiben von Graphit. Sie glättet den Übergang zwischen zwei Tonwerten, ohne dass du neuen Druck auf das Blatt gibst. Arbeite leicht und in Richtung der Form, und halte getrennte Stifte für helle und dunkle Bereiche bereit.

Glanzlicht

Das Glanzlicht ist die hellste Stelle einer Fläche, dort wo sich die Lichtquelle direkt spiegelt, zum Beispiel auf der feuchten Augenoberfläche oder auf der Unterlippe. Es entsteht nicht durch Radieren am Schluss, sondern dadurch, dass du die Stelle von Anfang an als blankes Papier aussparst. Einmal zugedeckt, kommt dieses Weiß nicht zurück.

Grundformen

Grundformen sind die einfachen geometrischen Körper, auf die du ein Motiv zu Beginn herunterbrichst: Kugel, Zylinder, Quader, Ei. Sie klären Proportion und Lage im Raum, bevor irgendein Detail entsteht. Der Kopf beginnt so als Kugel mit angesetztem Kiefer, und erst wenn diese Masse stimmt, lohnt sich die Arbeit an Augen und Mund.

Härtegrad

Der Härtegrad ist die Kennzeichnung der Bleistiftmine von hart bis weich, also von H über HB bis zu den B-Graden. Harte Minen halten die Spitze und bleiben hell, weiche Minen geben viel Pigment ab, werden dunkel und verschmieren leicht. Für ein Porträt reichen in der Regel drei bis vier Grade statt eines kompletten Sets.

Hilfslinien

Hilfslinien sind leichte Konstruktionsstriche, die Achsen, Proportionen und Symmetrie festlegen, bevor die eigentliche Zeichnung entsteht. Du ziehst sie mit einem harten Stift und minimalem Druck, damit sie sich später wieder heben lassen. Sie sind das Gerüst: Sie tragen die Zeichnung während des Aufbaus und verschwinden, sobald die Form steht.

Knetradiergummi

Der Knetradiergummi ist ein weicher, formbarer Radierer, den du mit den Fingern knetest. Er reibt nicht, sondern nimmt Graphit durch Kontakt auf, und schont dadurch die Papieroberfläche. Tupfend hellst du eine ganze Fläche auf, zu einer Spitze gezogen holst du ein einzelnes Glanzlicht zurück. Er hinterlässt außerdem keine Radierkrümel auf dem Blatt.

Lichtreflex

Als Lichtreflex bezeichnet man das Licht, das von einer Nachbarfläche zurück in den Schattenbereich fällt und ihn dort leicht aufhellt. Er sitzt typischerweise am äußeren Rand des Eigenschattens und ist immer dunkler als jede beleuchtete Fläche. Zeichnest du ihn zu hell, löst sich die Form auf und der Körper wirkt durchsichtig.

Lippenfältchen

Lippenfältchen sind die feinen senkrechten Furchen, die der Lippe ihre Textur geben. Sie laufen nicht gerade, sondern fächern von der Mittellinie aus und krümmen sich mit dem Volumen. Setze sie erst nach der Schattierung, am besten mit einem Präzisionsradierer, und halte sie in Richtung der Mundwinkel kürzer und schwächer.

Mittellinie des Mundes

Die Mittellinie des Mundes ist die geschwungene Linie, an der Oberlippe und Unterlippe zusammentreffen. Sie ist der Zug, der über die Ähnlichkeit entscheidet, und sie ist nie gleichmäßig: In der Mitte wird sie dunkler und breiter, zu den Winkeln hin feiner. Ihre Krümmung folgt der Rundung der Zahnreihe darunter.

Oberlippe und Unterlippe

Oberlippe und Unterlippe unterscheiden sich im Tonwert, weil sie unterschiedlich zum Licht stehen. Die Oberlippe neigt sich meist vom Licht weg und bleibt dunkler, die vorgewölbte Unterlippe fängt das Licht ein und trägt das Glanzlicht. Wer beide gleich hell anlegt, bekommt einen flachen Mund, egal wie sauber die Kontur gezeichnet ist.

Schattierung

Die Schattierung ist die Tonwertarbeit, die aus einer flachen Kontur ein Volumen macht. Du baust sie in dünnen Schichten auf, beginnst bei den Mitteltönen und hebst dir die tiefsten Dunkelheiten bis zum Schluss auf. Das Ziel ist nicht möglichst viel Dunkel, sondern jeder Ton an der richtigen Stelle und geschütztes Papierweiß.

Schraffur

Die Schraffur ist der Aufbau eines Tonwerts aus einzelnen parallelen Strichen statt aus verriebener Fläche. Über Abstand, Druck und Strichstärke steuerst du, wie dunkel die Fläche wird. Legst du eine zweite Lage quer darüber, entsteht die Kreuzschraffur. Anders als verwischtes Graphit bleibt eine Schraffur lebendig und behält die Handschrift sichtbar.

Skizze

Die Skizze ist die schnelle, leichte Anfangsphase einer Zeichnung, in der Proportion und Platzierung geklärt werden, bevor ein Detail entsteht. Sie soll nicht schön sein, sondern richtig. Zeit an dieser Stelle ist billiger als die Rettung eines fertigen Porträts, bei dem die Augen auf der falschen Höhe sitzen und alles verschieben.

Tränenkarunkel

Die Tränenkarunkel ist der kleine rosafarbene Hügel im inneren Augenwinkel, direkt neben der Nase. Sie ist eines der Details, an denen man genaue Beobachtung sofort erkennt: Sie hat eigenes Volumen, einen kleinen Schatten darunter und fast immer einen feuchten Lichtpunkt. Wer sie als bloßen Strich zeichnet, verliert die Tiefe des Augenwinkels.

Verwischen

Verwischen, auch Verblenden genannt, heißt bereits aufgetragenes Graphit auf dem Papier zu verteilen, damit die Übergänge weich werden. Nimm dafür Estompe, Watte oder Papier, niemals den Finger, denn Hautfett hinterlässt fleckige Stellen. Zu viel Verwischen zerstört die Papierstruktur und ergibt eine glatte, graue Fläche ohne Textur und ohne Tiefe.

Vorzeichnung

Die Vorzeichnung ist die verbindliche Linienfassung, die aus der Skizze hervorgeht und die endgültige Form festlegt. Sie wird bewusst hell gehalten, damit sie später unter der Schattierung verschwindet. Fehler in Proportion oder Ähnlichkeit gehören hierhin korrigiert, denn ab der ersten Tonschicht kostet jede Korrektur die Oberfläche des Papiers.

Wimpern

Wimpern sind die Haare am Lidrand, und sie wachsen in Büscheln, nicht in gleichmäßigem Abstand. Zeichne sie mit einem schnellen, aus dem Handgelenk auslaufenden Strich, an der Wurzel kräftiger und zur Spitze hin dünner, immer der Rundung des Lids folgend. Gleichmäßige Fächerwimpern sind der häufigste Anfängerfehler überhaupt.

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